Do. 12. 8. 2004 a. d. Tagebuch aus Nepal.

Wir besuchen in aller Früh ein kleines Dorf in den Hügeln des Kathmandu-Tals. Am Dorfplatz waschen und schrubben sich die Menschen am Brunnen, ganzköpereingeseift scheinen die Männer und Frauen ihre Gesellschaft und Gesprächsthemen bei der Morgentoilette zu genießen und bringen Leben auf den Platz. Den Mittelpunkt des Dorfes bildet eine Stupa, so nennt man jene Hindu-Stätten, die anstelle eines Daches von einer steinförmigen Spitze in Weiß gekrönt wird. Unsere einheimischen Begleiter nützen die Gelegenheit, einer der vielen Götter ihre Ehre zu erweisen.

Am Nachmittag begleite ich M. in den Süden von Nepal, nach Janakpur. Eine kleine Maschine der Buddha-Air für insgesamt wohl 30 Insassen verschwindet mit uns für zwanzig Minuten in einer Wolkendecke. Zuversicht hilft. Wir lassen die Berge hinter uns, landen auf 2oo Meter Seehöhe. Der Flughafen scheint irgendwie improvisiert. Nordindien wird spürbar. Brütende Hitze heißt uns willkommen. Der Fahrer bringt uns ins Hotel, bahnt sich seinen Weg durch unzählige Rikscha-Fahrer, permanentes Hupen darf auch hier nicht fehlen, auch wenn es dieses Mal das einzige Auto in dieser Stadt zu sein scheint.

Im Hotelzimmer schicken uns die BBC-News Grüße aus der Heimat: Gleich nach dem Bericht aus dem Irak folgt die Meldung: In Austrian St. Pölten wird das Priesterseminar geschlossen. Ich verbringe den Rest des Tages im stickigen Hinterzimmer des einzigen „Cybercafés“ der Stadt. Water? No, only Internet. Die Bedeutung von Café hinter dem „Cyber“ wird wohl noch nachgereicht werden in den kommenden Jahren. Mit der Diskette in der Hemdbrusttasche bringt mich ein Rikscha-Fahrer zurück ins klimatisierte Hotel. An diesem exotischen Ort mit einem digitalen Datenträger komm ich mir vor wie ein Geheimagent. Vermutlich Hitzeschlag. Die 50 Cent für den Pedaltransport entpuppen sich nachträglich als Wochengehalt.

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