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D(e)r Novak schreibt seine Dissertation über den öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF

Blicke ich auf mein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien zurück, gibt es einen Themenbereich, der das meiste Interesse und meine größte Leidenschaft geweckt hat: Die Grund- und Menschenrechte. Die historische Errungenschaft, dass sich im Laufe der Jahrhunderte verfassungsgesetzlich gewährleistete Rechte etablierten, die gewissermaßen staatsfreie Räume garantieren, kommt für den gelernten Österreicher oft überraschend. Mag es in meinem Fall auch mit einer nur im Einzelfall (nämlich meinem) unvollständig vermittelten Allgemeinbildung zu tun gehabt haben, meine juristische Ausbildung hat dazu beigetragen, dieses Defizit auszugleichen. Dass auf Grund verfassungsrechtlicher Prinzipien der Staat, vor allem aber auch der Gesetzgeber, nicht nur in seine Schranken gewiesen, sondern er sogar verpflichtet werden kann, aktiv etwas zu unternehmen, sorgte dabei in den ersten Jahren meines Studiums durchaus für basses Erstaunen.

In welchem Ausmaß sich ein spezielles Grundrecht auf meine berufliche Biographie auswirken sollte, konnte ich dabei zu Beginn meines Studiums noch gar nicht abschätzen. Konkret: Ohne das Recht auf Meinungsfreiheit gäbe es in Österreich womöglich kein Privatradio. Erst die festgestellte Verletzung des Rechts auf Meinungsfreiheit hat nämlich nach einer Entscheidung durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte unsere Alpenrepublik dazu gezwungen , die einschlägigen gesetzlichen Grundlagen zu erlassen.

Umso mehr freut es mich, dass ich mein Interesse an Grundrechten generell und an der Meinungs- bzw. Informationsfreiheit im Besonderen in den vergangenen Jahren in den Mittelpunkt meiner Dissertation stellen konnte. Nach erfolgreichem Absolvieren der Rigorosen wurde im September der entsprechende Bescheid ausgefertigt. Vergangenen Montag fand die akademische Feier an der Universität Wien statt, in deren, wie ich finde, durchaus würdigen Rahmen aus Anlass der Verleihung des akademischen Grades eines Doktors der Rechtwissenschaften unter Anwesenheit des Dekans des Juridikums, Univ-Prof. Paul Oberhammer,  das feierliche Gelöbnis auf das Szepter der Universität abzulegen war.

Was kann ich zur eigentlichen Arbeit, welche den Titel „Der öffentlich-rechtliche Auftrag des Österreichischen Rundfunks im Spannungsfeld zwischen Rundfunkfreiheit und staatlicher Kontrolle“ trägt, in der hier gebotenen Kürze sagen? Gegenstand der Auseinandersetzung war die Frage, ob die Definition des öffentlich-rechtlichen Auftrags und die damit verbundenen Kontrolle den verfassungsrechtlichen Vorgaben – insbesondere mit Blick auf die Meinungsfreiheit – entspricht.

Die Frage, ob die privilegierte Situation des ORF – angesichts der Finanzierung durch Gebühren, aber auch der jahrelang begünstigten Stellung bei der Zuteilung technischer Übertragungskapazitäten – sachlich zu rechtfertigen ist, wird dabei umfassend untersucht. Wer die Antworten darauf lesen will, findet das Buch u. a. hier. Ich hab mich dabei besten Gewissens um eine auch für Nicht-Juristen hoffentlich halbwegs verständliche Sprache bemüht. Hier berichtet auch derStandard über die Arbeit.

 

 

 

 

Der Novak fährt nach Amerika und kauft sich ein Buch – im Laden von amazon  

Es gibt so Wetten im Leben, über die ich froh bin, sie nie eingegangen zu sein. Eine davon: Dass amazon im echten Leben eine echte Buchhandlung aufmacht, hätte ich für beinahe denkunmöglich gehalten. Umso interessanter für mich, nun die Gelegenheit zu nutzen, einem der ersten von acht amazon Bookstores in den USA am Columbus Circle in New York eine Stippvisite abzustatten und der Frage nachzugehen: Was macht eine data-driven Company wie amazon anders, wenn sie in die Domäne jener eindringt, die sie – wie manche Kritiker monieren – zuvor erfolgreich vom Markt verdrängt hat, namentlich in den stationären Buchhandel? Gesetzt ist: Bei aller Wertschätzung für analoge Bücher, das einzelne Produkt ist im Sortiment eines Buchhändlers grundsätzlich austauschbar – glücklicherweise kann jeder Händler theoretisch jedes Buch anbieten. Echte Wettbewerbsvorteile bietet – wegen der Buchpreisbindung außerhalb des deutschen Sprachraums – vordergründig womöglich der Preis.

Umso größer die Überraschung: Ganz subjektiv drängt sich nämlich für mich die Vermutung auf, amazon hat sich mehr Gedanken gemacht, wie sie gegenüber dem eigenen Online Store einen Mehrwert bieten als gegenüber anderen Buchhändlern, ohne dass der Preis zum Differenzierungsmerkmal wird.

Der Schlüssel des Konzepts ist sicherlich der Versuch, Schlussfolgerungen aus dem Nutzerverhalten einem Kuratieren der feilgebotenen Bücher zu Grunde zu legen, wie ich es zumindest in vielen Fällen online nicht kenne:
Eines der ersten Regale, das einen „anspringt“, sind Bücher mit besonders hohen bzw. auch besonders vielen Bewertungen.


Spannend auch „the most-wished-for books“, somit ein verlässlicher Griff zu wahrscheinlich guten Geschenken.


Das gibt es auch für Reisende.


Wer nun bereits beginnt, seine Kritik gedanklich zu formulieren, dass damit Langeweile bei der Auswahl vorprogrammiert ist, für den bietet amazon auch ein Anwort: Hotly debated books.


Für mich persönlich allerdings kein relevantes Kriterium, aber die Kontroverse zieht immer.

 

Originell auch: If you like…auf echt

Das finde ich einen echten Mehrwert. Auf einen Blick kann man mit freiem Auge scannen, ob einem Buchtitel vertraut sind und sich von dazu passenden inspieren lassen. Meiner Meinung nach, wie heißt es so passend, IRL (in real life) eine echte Bereicherung.

Bei jedem einzelnen Produkt steht eine ausgewählte amazon Kritik.

Durchaus auch mit einer raffinierten Gewitztheit bei Kinderbüchern handgeschrieben. Ich vermute mal, da war schon mal die eine oder andere Schulklasse zu Gast.

Wirklich mühsam ist jedenfalls die Preisbeschilderung: Die findet nämlich nicht statt. Die Idee ist offensichtlich, entweder zu einem der wenigen Scanner quer durch den Laden zu gehen, oder dass man mit der eigenen App laufend die Preise scannt. Fortschritt sieht anders aus. Garantiert wird, dass  dabei der idente Preise wie online verechnet werden – vermutlich dem tagesaktuellen amazon Preisalgorithmus entsprechend. Und hier gibt es auch gleich mal die eine oder andere Überraschung: Wirklich günstig ist der Einkauf nur für amazon prime members. War man das bisher nicht, wird man das vermutlich spätestens im Laden. Smart kalkuliert ist dieser Faktor wohl Teil des Preisalgorithmus. Übrigens kann man auch unter Verweis auf seine eigene amazon Mitgliedschaft per app (und Scan) an der Kassa zahlen (quasi checkout in echt). Das klappt selbst für europäische Kunden, die allerdings auch noch die eigene Kreditkarte benötigen.

Was ist mir sonst noch aufgefallen: Eine relativ überschaubare Anzahl an Personal. Die Buchhandlung wird mit einem austauschbaren Middle-of-the-Road Radioformat beschallt, ganz ohne Wort und Branding. Audible spielt damit im Store faktisch keine Rolle, allerdings z.B. auf der Papiertasche mit den „Top-Ten“ der Hörbücher sehr wohl. Alexa, aber auch andere Elektro-Utensilien (wie bose Kopfhörer) nehmen einen relativ großen Platz ein. Originellerweise gibt es sogar die eine oder andere Vinylplatte.


Summa summarum: amazon kocht hier auch nur mit Wasser, allerdings mit smarter Würze, generiert und garniert aus dem eigenen Haus auf Basis user generated online curation. Nichts, was nicht auch jeder andere Buchhändler grundsätzlich ähnlich gut umsetzen könnte, weil viele – wenn auch nicht alle – Informationen öffentlich verfügbar sind. Was dabei spürbar fehlt, ist – eh klar – jede Form einer individuellen Note eines Buchhändlers. Den wirklich überraschenden, maßgeschneiderten und individuellen Buchtipp darf man auch hier jedenfalls nicht erwarten. Ebenso wenig den noch unbekannten Geheim-Tipp. Die Tatsache, dass damit ein Online-Riese allerdings einen weiteren Schritt zur lesenden Kundenschar macht, finde ich grundsätzlich positiv. Der Preis, den wir dafür zahlen, wird man noch sehen. Aber auch davon wird zu lesen sein.

 

 

Die österreichischen Wurzeln von Marc Zuckerberg

Die überraschend positiven Seiten von Donald Trumps undurchdachten Maßnahmen?  Mich persönlich beeindruckt es, zu sehen, wie in den USA eine Gegen-Öffentlichkeit erkennbar wird, die mit aller Verve und Wucht das Wort gegen ihren gewählten Präsidenten ergreift. Mitten in diesem Konzert der Kritiker ließ mich eine Meldung aufhorchen: Auch Marc Zuckerberg meldet sich zu Wort mit dem Verweis, darauf, dass auch seine Ur-Oma und sein Ur-Opa aus Österreich kommen 

Wer Österreich kennt, weiß, dass meine geliebte Heimat dazu neigt, zwar selektiv (nämlich nur im positiven Fall), aber dann mit Leidenschaft, Erfolge mit österreichischen Berührungspunkten als „unsere“ Erfolge zu vereinnahmen. Oft folgt dabei die erniedrigende publizistische Bloss-Stellung in Qualitätsmedien wie diesem auf dem Fuss. Vor diesem Hintergrund ist auch die Zahl „unserer“ NobelpreisträgerInnen durchaus beindruckend. Da kann die Zahl der „uns“ zuzuordnenden Nobelpreisträger schon mal zwischen 17 und 30 schwanken…

Wen wundert es da, dass ich – nachdem Marc Zuckerberg seinen inneren Österreicher geoutet hatte – den geistigen Countdown anwarf und minütlich Schlagzeilen zu erblicken erwartete – nach dem Motto: „Eigentlich ist Österreicher sechstreichster Mensch der Welt“. Oder: „Wir sind superreich! Die bisher geheimen österreichischen Wurzel von Marc Zuckerberg“, last but not least: „Marc, deine Heimat erwartet dich: Professoren-Titel inklusive“. Weit gefehlt. Nichts dergleichen. Nada. Mark „Sackabörg“ alias Zuckerberg und seine Omi aus Austria kümmerte niemanden. Außer mich.

Die weite Welt des Internets kennt bekanntermaßen viele Vorzüge. Einer davon ist die Ahnenforschung. Eine Kombination aus immer besserer Software, Cloud-Services und vor allem  weltweit von zu Hause zugänglichen digitalen Archiven macht für die tiefer gehende Recherche nicht mehr nötig,  verstaubte Matriken zu wälzen und entlegene Archive aufzusuchen. Um zum Punkt zu kommen. Die Vorfahrenwelt des Marc Zuckerberg stellt sich nach meinen Recherchen folgendermaßen dar: In der Grafik oben der Papa mit Vorfahren, unten die Mama. Und Österreicher 🇦🇹 wohin das Auge reicht, quasi.

Nachweislich jedenfalls aus „Österreich“ kommen sein Urgroßvater Max Hollander, seines Zeichens Schneidermeister, und dessen Frau Rose, geborene Schönfeld, sowie dessen Mutter Esther.

Ebenso sein Ur-Urgroßvater und Namensgeber Isaac Zuckerberg, mit der originellen Berufsbezeichnung „Clock Operator“ – und seine Frau, die ebenso Rose hieß, mit Mädchenname Tiesch.

Auch auf der Seite von Marcs Mutter lassen sich österreichische Wurzeln nachweisen: So kommt jedenfalls sein Ur-Urgroßvater Morris Steinberg aus Österreich, eventuell auch seine Ehefrau Dora.


Alle sieben dürften mehr oder weniger zur gleichen Zeit nach New York ausgewandert sein, nämlich in den Jahren zwischen 1889 und 1892. Fairerweise ist zu ergänzen, dass natürlich zu jener Zeit der Geburtsort Österreich nicht unbedingt mit dem heutigen Gebiet der österreichischen Alpenrepublik übereinstimmen muss. So findet sich auch im Laufe der Jahre eine sich durchaus verändernde Herkunftsbezeichnung bei einzelnen Ahnenväter von Marc. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Angaben zur US-Volkszählung 1920 bei Isaac Zuckerberg im Unterschied zu den Jahren vor dem Untergang der Monarchie auf Galizien als Geburtsort beziehen, während bei Morris Steinberg auch einmal Ungarn genannt wird. Man darf ja dabei eines nicht vergessen, Facebook hat es damals ja noch nicht gegeben…