Sep
26
2009

Wie oft hab ich mir das schon gedacht: Die ideale Form, Städte zu bereisen, ist, Interesse heuchelnd (pfui!) vorab einen Immobilienmakler zu beauftragen und mit ihm diverse Wohnungen in der fremden Stadt abzuklappern. Die Überlegung: Ein einzigartiger Einblick gekoppelt mit lokalem Wissen erlaubt dann ein abwechslungsreiches Schauen im wahrsten Sinn hinter die Fassaden der touristischen Sehenswürdigkeiten - wenn auch wohl meist unmöbliert. Soweit die trockene Theorie, probiert hab ich’s nämlich noch nicht.
Bis Freitag. Seit dem weiss ich: Es gibt nur wenig Aufregenderes, Anregenderes und Abartigeres, als fremde Wohnungen von fremden Menschen zu inspizieren. Geführt hat zwar nicht der Makler, sondern (mit unsichtbarer Hand) ein Regisseur, aber dafür war in allen sieben besuchten Wohnungen (fast immer) volles Interieur vorhanden. Ort der indiskreten Raumbeschauung war das Stuwerviertel im zweiten Wiener Gemeindebezirek - vielleicht nicht die typische Destination für Urlaub in der eigenen Stadt, aber als Stätte städtischen Wandels ein wohl ideales Perlustrationsobjekt. Basierend auf der Idee und der Konzeption des Berliners Matthias Lilienthal wurde die Idee seit 2002 in den Städten dieser Welt herumgereicht, um nun 2009 offenkundig in Wien Station zu machen - und zwar im Rahmen des Festivals Brut.
Wie neu die Idee, Kunst und Theater in Privatwohnungen stattfinden zu lassen, auch immer sein mag: Ich liebe es, wenn Theater den starren Rahmen der “Bretterbühne”, die die Welt bedeutet, verlässt, um dort hinzugehen, wo die Welt bedeutend ist, und einmal mehr die Ungewissheit zwischen Wirklichkeit und Inszenierung spürbar macht - vor allem, wenn es so gut gemacht ist, wie in Wien: Ich war mit Taschenlampen in finsteren, voll geräumten Dachwohnungen, erlebte einen singenden Hund, spielt bei bedrohlicher Stechschrittgeräuschkulisse in einer fremden Wohnung verstecken und wurde von der Sex-Performance-Künstlerin Ann Liv Young im Pfarrhof (!) der Mexikokirche therapiert. Sechs Kilometer (einer Schnitzeljagd nicht unähnlich) hin- und her durchs Struwerviertel und fast vier (!) Stunden später, war nach sieben Wohnungen ein gewisser Grad an Erschöpfung erreicht, was aber kein Gradmesser für die Einzigartigkeit des Erlebnisses sein soll. Ab sofort reise ich dem Projekt X Wohnungen hinter her, dann spar ich mir die Maklertour…
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Sep
25
2009

Im Windschatten der Berichterstattung über den neuen iPod und seiner Videokamerafunktion ist mir bis dato eine sehr überraschende Funktion entgangen: Nicht nur dass es nun endlich auch Radio von Beginn an fix integriert in einem der chicen Apple-Produkte gibt (was überfällig, aber an sich keine wirkliche Sensation ist), nein, das Radio bietet die wahrlich beeindruckende Funktion, bis zu 15 Minuten des gerade gehörten Programms wieder zurückspielen, anhalten und wieder nach vorn zu springen zu können. Und damit Radiokonsum vom Livebetrieb losgelöst machbar wird - etwa, wenn man ein Information verpasst oder man seinen Lieblingssong wieder hören will.
Radio macht das sicher noch mal attraktiver, ähnliches gibts bisher meines Wissen nach nur bei Digitalradios in UK (siehe dazu hier).
Erwähnenswert ist auch noch, dass sich die gespielten Songs über die Liste “Letzte Titel” nachschlagen lassen. Sollte dafür RDS die Voraussetzung bilden, wird man in Österreich allerdings noch länger warten müssen, Trackinformation dürfen hierzulande nicht mitgesendet werden.
via iFun und PINNACLE PERSPECTIVE
Nachtrag: Siehe auch Gröbchens Maschinenraum in der Presse am Sonntag vom 25. 10. 2009
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Sep
17
2009

Auf tw1 die Parlamentsdebatte auch per Stream, "live" die juristische Auseinandersetzung: (im Hintergrund v. l. n. r. ) Prof. Matthias Cormils, Prof. Christoph Grabenwarter, Josef Trappel)
Fast könnte man von Public Value Festspielen reden, in welchem Ausmaß gestern und heute die Frage nach einem öffentlich-rechtlichen Mehrwert in den Mittelpunkt der öffentlichen Auseinandersetzung gerückt ist: Nach einer Debatte auf dem privaten Puls4 (dort auch als Video on demand) zur besten Sendezeit, einem Club2 zu später Stunde im öffentlich-rechtlichen Angebot (hier die Meldung dazu), standen Frage zum öffentlich rechtlichen Rundfunk im Mittelpunkt einer Debatte im Parlament (vormittags von ORF2, nachmittags von tw1 übertragen bzw. gestreamt). Parallel dazu - und in offensichtlich bereits weiser Voraussicht vor einem Jahr festgelegt - startete heute nachmittag das 5. Österreichische Rundfunkforum zu eben dem Thema “Public Value”. Für Mit-Veranstalter Prof. Christoph Grabenwarter ein willkommener Anlass, sich in seiner Begrüßung augenzwinkernd und unter Verweis auf die Konkurrenzveranstaltung im Parlament des Begriffs der “Kampfprogrammierung” zu bedienen. Wer noch nicht genug bekommen hat (so wie ich), dem bietet ORF2 am abend um 22.30 noch den Runden Tisch zur Zukunft des ORF.
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Sep
13
2009
Es sei das erste Mal, dass in den Hallen des Justizpalastes Theater gespielt werde, meinte Markus Kupferblum am Beginn seines Theaterstückes - selbst den Mann vom Lande spielend im Dialog mit Göttin Justitia. Den Wahrheitsgehalt dieser Ansage einmal dahingestellt - so manchen Dramen hat das Haus wohl jedenfalls bereits eine Herberge gegeben - es bildete gestern den Auftakt für einen rundum gelungenen Premierenabend von VOR DEM GESETZ. Dass dabei aber auch an diesem Abend die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Theater permanent zu vergegenwärtigen waren, gab dem Stück genau den Reiz, den Theater heute ausmacht, um sich von Reproduzierbarem am Bildschirm zu unterscheiden. Ein Stationentheater, in dem das Publikum zu staunenden Mitspielern mutierte, und dafür in Gruppen durch den Palast geführt wurde. Gerne weiterempfohlen, um die Mühlen der Justiz verdichtet mahlen zu sehen und zu spüren. Die Texte bilden eine Collage von Samuel Beckett bis Hans Kelsen. Mein Urteil: Anschauen, keine Berufung zulässig.


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