Aug
11
2004
Auf meiner To-Do-List für heute steht noch die Überarbeitung des Programmkonzepts für das Linzer Radioprojekt, ein Teil der Berufungsstrategie gegen die ungerechteste … (hatte ich das schon erwähnt?). Wenn ich meinen Blick vom Laptop hebe, hält sich die Inspiration für urbanes Radio in Oberösterreich in Grenzen: Ich sitze im Café am Dach des Radisson-Hotels, rund um mich die weitläufige Häuserdachlandschaft Kathmandus: ein architektonischer Stil ist nicht festzustellen, nur vereinzelt durchbrechen die Tempeldächer und alte Paläste im neoklassischen Stil gemeinsam mit überdimensionalen schwarzen Parabolantennen den Kontrast der dahinterliegenden Hügel. Dennoch: dass mein Standort nicht von der Arbeit diktiert wird, die ich zu erledigen habe, weiß ich zu schätzen.
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Aug
10
2004
Am frühen Morgen wieder Biketour, auch M. ist dieses Mal mit von der Partie. Hier in den Dörfern außerhalb der Stadt radeln wir vorbei an unzähligen Kindern und Jugendlichen auf ihrem Weg zur Schule. Mit ihren tadellos sauberen Schuluniformen (weißen Hemden mit Krawatten oder Röckchen) bilden sie einen Kontrast zum Schmutz in den Dörfern.
Nach dem Rad-Ausflug holen wir Gebäck von „Hermann Helmers Bäckerei und Konditorei“, so steht es zumindest auf dem Schild über dem Eingang. Mein freundliches „Grüssgott“ wird vom vollbärtigen Nepali hinter dem Brotkörben ebenso wohlwollend erwidert. Er erklärt, sein Vater habe in Deutschland his „beckermeister“-degree gemacht, und bei „Hermann Helmers Bäckerei und Konditorei“ gelernt. Den Namen habe er nun einfach mit-importiert. Der Appelstrudel ist nicht ganz als solcher auszumachen, schmeckt aber ebenso vorzüglich wie die Nussschnecken und Croissants. Und Hermann Helmer? Ja, alle Paar Jahre kommt der auch tatsächlich vorbei… „German Bread“ scheint hier überhaupt der Hit schlechthin, viele Bäckereien in der Stadt schreiben es auf ihren Laden als Qualitätsmerkmal. (Das ich das noch erleben darf).

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Aug
9
2004
Der Tag verläuft gemütlich. M. muss nicht ins Büro. Frühstück zu Hause. Ein wenig einkaufen. Ohne Autos wäre die Stadt zauberhaft, mit ihnen ist es oft die Hölle. Verkehrsverhalten als würden von heute auf morgen alle Fußgänger Räder haben. Einfach losfahren. Schauen ist unnötig, wichtig aber: Immer hupen, um wahrgenommen zu werden. Italien nichts dagegen. Und: Autos und Motorräder dürfen überall hin. Eine „Fußgängerzone“ gibt es daher nicht, auch wenn der Weg durch die schmalen Altstadtstrassen nicht einmal asphaltiert ist. Ein Regenguss lässt die Händler von einer Sekunde ihre Gewürzkörbe bedecken, Rikscha-Fahrer verschwinden unter Plastikplanen und die Strasse ist leergefegt, besser vielleicht: leergespült. Dichtes Gedränge entsprechend dort, wo man ein wenig Dach über dem Kopf erhaschen kann. Die ersten Mutigen stapfen nach 20 Minuten im fast knöchelhohen Wasser los, auch der Händler, um dessen „Kiosk“ wir uns mit den Einheimischen gescharrt haben, macht uns Mut: „This time, it is not a big one“. Der Monsun-Gruß lässt tatsächlich nach. Auch wir marschieren los. Sogar Bally ist mit einem Shop vertreten: Schweizer Schuhe in Originalqualität. 350 US-Dollar das Paar erklären, warum uns auf elf Quadratmeter sieben Verkäufer beraten wollen. Zwei Ecken weiter: Gucci-Schuhe um umgerechnet 15 Dollar. Blöd nur: Die Chinesen hatten sich bei der auf den ersten Blick perfekten Imitation bei den Goldlettern in der Innensohle offensichtlich verschaut: GUGGI steht dort zu lesen. In unseren Einkaufstaschen landen Superman2, und Fahrenheit 911 auf DVD aus einem Shop perfekt mnit farbigen Booklet, sogar Kreditkarten nehmen sie. (Für Mama und Papa, die auch mitlesen: So wie hier laufen diese Filme eigentlich erst im Kino, offizielle gibt es die DVDs noch nicht am Markt)
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Aug
8
2004
Ein Nacht im Nagarkot „Farmhouse“ liegt hinter uns. Nagarkot ist ein kleines Dorf auf einem Berg am Rande des Kathmandu-Vailleys. Ein Artikel aus einem englischen Reisemagazin, festgenagelt an der Ziegelwand in der Nähe des Feuerplatzes im Gemeinschaftsraum, reiht unser kleines, feines Hotel unter die 12 ungewöhnlichsten Hideaways der Welt. Auch nepalesische Pärchen wissen es zu schätzen, ebenso offensichtlich die beiden Mönche am Frühstückstisch, ein Schüler mit seinem Lehrmeister.
Ihre und unsere Gebete während der Nacht wurden offensichtlich erhört: In der Früh gibt uns die Nebeldecke für etwa 20 Minuten den Blick auf den Everest und das Himalaya-Gebirge frei. Wir können unser Glück kaum fassen, so ungewöhnlich ist das für diese Jahreszeit.

Das Angebot, mit einem „Guide“ den Weg ins Tal zu finden, schlagen wir noch leichtfertig aus, doch die Verirrung folgt auf den Fuß. Wie erschöpfte Pilger durchstreifen wir am Ende nach vier Stunden die Reisfelder immer im Blick unser eigentliches Ziel: der Tempel auf einem Hügel auf der anderen Seite des Flusses. Kinder umringen uns die meisten Zeit fordern Kugelschreiber, Geld oder wollen, dass wir Fotos von ihnen machen. Die alte, wunderbare Hindustätte – ein reich mit Holzschnitzereien verzierter mehrstöckiger jahrhundertealter Pagodenbau - präsentiert sich dann fast menschenleer, Nepal leidet unter Touristenschwund seit die militanten Maoisten die Gegend außerhalb des Kathmandu-Valleys im Griff zu haben versuchen.
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