Aug
15
2004
Ich entschließe mich zu einer früheren Rückreise nach Kathmandu als geplant. Während M. noch Termine und Treffen bis Dienstag hat entfliehe ich der Hitze und drohender Untätigkeit. Das Flugticket ist handschriftlich ausgestellt, ebenso erfolgt das Einchecken durch analogen Vermerk auf einem Zettel. Mich beeindruckt das. Am Nebenschalter: Yeti-Air. Das Logo: Eine Art Fußabdruck. Im Warteraum lerne ich einen jungen nepalischen Vertriebsmenschen von Carlsberg kennen. Seinen MBA hat er in Indien absolviert. Interessiert verfolge ich seine Erläuterungen über den Getränkemarkt in Nepal. New brands? No way, it would be like burning money as long as the maoist-problem is not solved. Regen in Kathmandu, endlich wieder Abkühlung. Am Abend Geburtstagsparty von Peter aus Ried. Ich schaff es doch immer dort zu sein, wo er feiert.
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Aug
14
2004
Wir besuchen in der Früh ein Dorf, in dem von Frauen nach traditioneller Art Keramik handbemalt (und verkauft) wird. Keine Touristenfalle, sondern eine der intelligentesten Formen von wirksamer Unterstützung: Sichergestellt ist, dass der Erlös aus dem Verkauf allen Frauen zu guten kommt. Von Generation zu Generation weitergegebene Kunst wird zur Gelegenheit für viele Frauen in der Umgebung, dass ihre Position (nicht nur materiell) gestärkt wird.
Vier Stunden dauert dann die Fahrt nach Biratnagar. Dörfer mit Häusern aus getrocknetem Stroh entlang des Weges. Die umliegenden Reisfelder lassen zumindest vermuten, dass Nahrung hier nicht das allergrößte Problem ist – solange es genug Wasser gibt.

Später verändert sich die Vegetation: Der Fahrer erklärt uns, hier wird Jute angepflanzt. Biratnagar ist eine Industriestadt – und nur mehr wenige Kilometer von Indien entfernt. Die Glanzzeiten hat der rund 200.000 Einwohner umfassende Grenz-Ort bereits hinter sich: Jute, das früher hier verarbeitet worden ist, scheint nicht mehr gefragt (wir erinnern uns: Plastik scheint das Match für sich entschieden zu haben), Wellblech kommt mittlerweile billiger aus Indien. Maries Arbeitskolleginnen nützen die Möglichkeit für einen kurzen Shoppingabstecher nach Indien. Uns Europäern wird die Einreise verwehrt, Visas werden hier keine ausgestellt. Der gemeinsame Spaziergang am Abend entlang der Strasse löst Aufmerksamkeit der Einheimischen aus: Viele Touristen scheint es nicht hierher zu verschlagen. Meine passende Reiselektüre: Transmission von Hari Kunzru.
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Aug
13
2004
Janakpur ist eine der wichtigsten Pilgerstätten für Hindus. Der Vergleich für unsensible, religiöse Dumpfbacken wie ich es bin: Quasi Mekka, nur Hindus eben. Vor allem Inder scheinen es zu einer erstrebenswerten Destination erhoben zu haben. Die Pilgerstätte entpuppt sich als Palast. Am ehesten noch vergleichbar mit einer Kreuzung aus TajMahal und einem Chorherren-Stift lädt die Anlage zum Besuch. Überbietet alles bisher gesehene. Farbig und golden verziert, als müssten die Ornamente die Aufmerksamkeit der vielen Pilger rechtfertigen. Im Inneren: der eigentliche Tempel. Wir wohnen dem Gesang und den Gebeten bei. Ältere Herren mit gelb-orangene Haaren, eingehüllt in eine Art Toga, werfen lange Schatten im Licht der Morgensonne. Sie erweisen Göttin Shiva ihre Ehre.

Bei nepalesischem Whiskey am abend feier ich, dass die Berufung gegen die ungerechteste Entscheidung (… hatten wir schon) endlich fertig ist. Trost dabei: Aus Österreich erreicht mich die Nachricht, dass nicht nur ich sie als ungerecht erlebe.
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Aug
12
2004
Wir besuchen in aller Früh ein kleines Dorf in den Hügeln des Kathmandu-Tals. Am Dorfplatz waschen und schrubben sich die Menschen am Brunnen, ganzköpereingeseift scheinen die Männer und Frauen ihre Gesellschaft und Gesprächsthemen bei der Morgentoilette zu genießen und bringen Leben auf den Platz. Den Mittelpunkt des Dorfes bildet eine Stupa, so nennt man jene Hindu-Stätten, die anstelle eines Daches von einer steinförmigen Spitze in Weiß gekrönt wird. Unsere einheimischen Begleiter nützen die Gelegenheit, einer der vielen Götter ihre Ehre zu erweisen.
Am Nachmittag begleite ich M. in den Süden von Nepal, nach Janakpur. Eine kleine Maschine der Buddha-Air für insgesamt wohl 30 Insassen verschwindet mit uns für zwanzig Minuten in einer Wolkendecke. Zuversicht hilft. Wir lassen die Berge hinter uns, landen auf 2oo Meter Seehöhe. Der Flughafen scheint irgendwie improvisiert. Nordindien wird spürbar. Brütende Hitze heißt uns willkommen. Der Fahrer bringt uns ins Hotel, bahnt sich seinen Weg durch unzählige Rikscha-Fahrer, permanentes Hupen darf auch hier nicht fehlen, auch wenn es dieses Mal das einzige Auto in dieser Stadt zu sein scheint.
Im Hotelzimmer schicken uns die BBC-News Grüße aus der Heimat: Gleich nach dem Bericht aus dem Irak folgt die Meldung: In Austrian St. Pölten wird das Priesterseminar geschlossen. Ich verbringe den Rest des Tages im stickigen Hinterzimmer des einzigen „Cybercafés“ der Stadt. Water? No, only Internet. Die Bedeutung von Café hinter dem „Cyber“ wird wohl noch nachgereicht werden in den kommenden Jahren. Mit der Diskette in der Hemdbrusttasche bringt mich ein Rikscha-Fahrer zurück ins klimatisierte Hotel. An diesem exotischen Ort mit einem digitalen Datenträger komm ich mir vor wie ein Geheimagent. Vermutlich Hitzeschlag. Die 50 Cent für den Pedaltransport entpuppen sich nachträglich als Wochengehalt.
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