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Die wahren Abenteuer sind … im Paradies

Tief im Innersten, vermute ich, hat jeder seine persönliche Phantasie, wie er seinen eigenen Lebensabend verbringen will. Nur die wenigsten stellen sich dabei wohl vor, auf einen erdroten, kargen Lehmboden irgendwo in Afrika einen Garten zu pflanzen, der Tausende Besuchern zu Gast sein lässt, um ihnen eine sinnliche, meditative und zugleich opulente Erfahrung im Schatten einer Vielzahl unterschiedlichster Pflanzen, Figuren und Masken zu spendieren. Und von diesen wenigen gibt es vermutlich nur einen, der diese kühne Idee in die Tat umsetzt. André Hellers Vision ist für sich allein wohl verrückt genug, um als unmöglich bezeichnet zu werden. Und dennoch: Am heutigen Tag öffnen sich erstmals die Tore des Gartens mit dem passenden Namen anima und der selbstbewussten Untertitel Le retour du paradis einer interessierten Öffentlichkeit. 

Was in sechs Jahren Aufbauarbeit unter der Leitung des Österreichers Gregor Weiss und Mithilfe hunderter lokaler Handwerker, Hilfsarbeiter und Gärtner gelungen ist, ist mehr als ein weiterer Grund, Marroko einen Besuch abzustatten. Knapp 30 Kilometer außerhalb von Marrakesch wurde ein feiner botanischer Wunderraum geschaffen, der uns die Geschichte erzählt, dass die wahren Abenteuer im Paradies sind – auch wenn sie dafür erst im Kopf geboren werden müssen. Danke für ein besonders sinnliches Erlebnis des Staunens und einmal mehr die Inspiration dafür, was im Leben möglich ist.

 Fotos © 2016 Florian Novak

 
  

   
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Apples Zeitmaschine

Seit zwei Wochen trage ich eine Apple Watch  – ein Geburtstagsgeschenk von wohlwollenden Freunden zum runden Geburtstag. Zwei Wochen sind ausreichend Zeit, um zahlreichen Zweiflern und zaudernden Zeitgenossen die brennende Frage zu beantworten: „Za wos braucht ma sowos?“.

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Meine Antwort – vorneweg – teilt die Menschheit in drei Gruppen ein, gedacht auch als Empfehlung und zur persönlichen Orientierung:

Wer bisher keine Uhr hatte, dem bietet auch die neueste Errungenschaft aus dem Hause Apple keine ausreichenden Argumente.

Wer eine Uhr trägt als zeitlose Vergewisserung von Wert und  Tradition – womöglich über Generationen oder als Geschenk – für den ist sie kein würdiger Ersatz.

Für alle anderen ist sie mittelfristig ein ernst zu nehmendes Accessoire, das sich – insbesondere für ein Gerät der ersten Generation – von Anfang an überraschend ausgereift, robust und durchdacht präsentiert.

Ich zähle mich zur letzteren Gruppe und für mich ist die Apple Watch – zur Vorwarnung, es folgt ein leidenschaftliches Bekenntnis – die Uhr, die ich immer schon haben wollte.

Auch bei Uhren gibt es vermutlich eine Sozialisation und meine dient ganz subjektiv als nachträgliche Erklärung für die nun entfachte Begeisterung. Als Kind der 80er war meine erste Uhr eine Digitaluhr aus dem Hause Casio (Modell DBC 610). Das Gerät aus Stahl konnte sage und schreibe 50 Telefonnummern speichern. Außerdem offerierte die Anzeige eine Übersicht für die kommenden zwei Wochen, wobei auf einen Blick abzulesen war, ob am Vormittag oder Nachmittag des jeweiligen Tages bereits ein Termin eingetragen war. Im dicht verplanten Terminkalender eines Zwölfjährigen eine echte Sensation.  Nicht zu vergessen die Stoppuhr und der Taschenrechner! Beeindruckender Weise gibt es diese Uhr bis heute noch, und wie ich gerade feststellen konnte, mit unverändert guter Kritik.

 

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Würdige Konkurrenten im Kampf um „Koolsein“ waren natürlich diverse Swatches bis die erste Polar-Uhr (Modell Titanium) mein Armgelenk zieren durfte, inklusive einem Feature, das sie davor bewahrte, von einem Handy verdrängt zu werden: Das Messen meines Pulses, das entsprechende Brustband vorausgesetzt – ideal um sportlich zu wirken, wohl auch in Zeiten, in denen man es nicht ist.

 

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Von kurzer Dauer waren dabei auch meine ersten Versuche,  Produkte von Apple quasi zur Uhr zwangszukonvertieren: mein erster iPod-Nano mit Uhrendisplay inklusive zahlreicher Uhrenbänder zur Auswahl.

Abgesehen davon, dass es ästhetisch tatsächlich bereits eine gelungene Umsetzung war, war das größte  Feature für mich: UKW-Empfang. (So hat eben jeder seine Vorlieben.) Die zwei größten Nachteile: Um zu sehen, wie spät es ist, musste man auf der Seite den Knopf drücken (naturgemäß mit der anderen Hand!). Und beim zweiten Mal mit ihr duschen begann ich, an meiner Lernfähigkeit zu zweifeln.

Die Idee, mit meiner Uhr zu sprechen, ihr Befehle zu erteilen und über sie zu telefonieren, realisierte ich bereits im vergangenen Jahr ungeduldig mit einem Modell aus dem Hause Martian – nach eigenen Angaben „The World’s First Voice Command Smartwatch“. Bestechend dabei: Totale Integration von Siri, dazu eine analoge Uhr, um  bei der Kernfunktion Uhrzeit nicht von regelmäßiger Ladeintervallen abhängig zu sein. Designtechnisch durchaus tauglich, um mir als potenziellem Möchtegern-Geheimagenten aus dem Repertoire von Mr. Q überreicht zu werden.

 

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Eigentlich nicht wasserfest (natürlich hab ich es gleich in Woche zwei beim Sprung ins Wasser probiert – Fazit: Sie trocknet von allein, bevorzugt von Reiskörnern umgeben), bietet diese Uhr auch eine erste Gelegenheit zu erkennen, wie unhöflich es gesehen wird, während persönlicher Gespräche  auf die Uhr zu blicken, insbesondere wenn sich durch für das Umfeld unhörbare Vibrationen die nächste digitale Depesche ankündigt.

Die Lektion aus dieser Geste – davon bin ich fest  überzeugt – wird übrigens  in den kommenden Jahren die große sozio-kulturelle Herausforderung für den leidenschaftlichen Smartwatch Benutzer, sofern die soziale Ächtung nicht als eingebautes Feature inkludiert sein will. Pointiert formuliert  in dieser Betrachtung “It turns out that checking your Watch over and over again is a gesture that carries a lot of cultural weight“

Nun zu meinen Erwartungen an die Apple Watch: Als jahrelanger Windows-Nutzer bin ich ein vergleichsweiser später Apple-Konvertit. Final ausschlaggebend war ein Urteil aus diesem Blog als Hilfestellung für potenzielle Umsteiger mit einer prägnanten Metapher: „Ein Windows-PC wirkt wie ein übereifriger Lehrling, der seinen Chef über jeden Schritt informiert und bei jeder Tätigkeit fragt, ob der das denn auch machen darf. Ein Mac ist eher wie ein erfahrener, langjähriger Arbeitskollege, der zielsicher seinen Job macht.“ Ich finde bis heute, das trifft es sehr auf den Punkt und nach meinem würdigen Eintritt in die Apple Welt kann ich das sieben Jahre später bestätigen. (Ergänzen würde ich heute außerdem, dass mein „Lehrling“ auch über Jahre hindurch sein Tempo beibehalten hat – im Unterschied zum immer langsamer werdenden Windows-„Kollegen“.)

Warum ich das schreibe? Auch eine Smartwatch hat bei aller Verspieltheit nur eine echte Berechtigung, wenn es den Informationsstress reduziert und den Blick auf das Wesentliche erleichtert – und nicht noch mehr nervt. Gewissermaßen der Assistent als Unterstützung zum langjährigen Kollegen, unmittelbar am Handgelenk. Der Apple Watch gelingt das souverän und relativ reibungslos. Sie agiert als eine Art Fernbedienung für wichtige Funktionen des iPhones, ohne  das  Smartphone zur Hand nehmen zu müssen, sie ist Messgerät für den Herzschlag (aber ohne ein Pulsband zu benötigen) und sie ist persönlicher Navigator am Armgelenk – last, but not least:  Sie bietet als Uhr und Zeitmesser eben all das, was eine Uhr können soll, wenn sie maximale Rechenleistung auf sich vereint, visualisierte Plantenkonstellation und dimensionale Mondphasen inklusive.

Der „Schlüssel“ für die zufriedene Nutzung ist sicher die maximale Reduktion der Benachrichtigungen, so dass nur wirklich wesentliche Mitteilungen durchdringen und dezent am Handgelenk klopfen, und sie bietet vor allem dann einen Mehrwert, wenn man selbstbestimmt jene Funktionen abruft, die man gerade braucht. Im Regelfall reicht dafür der routinemäßige Blick auf die Uhr. Diese Einstellungen individuell vorzunehmen, das gelingt nicht jedem.  Tatsächlich ist zu attestieren, dass die Bedienung relativ anspruchsvoll ist und eine gewisse Grundneigung voraussetzt, mit Geräten herumzuspielen und sie auszuprobieren. Das schränkt die potenzielle Zielgruppe sicherlich noch mal ein, auch wenn spürbar viel Gedankenarbeit in das neue Interface und seine vielen Elemente geflossen ist.  

Meine in den vergangenen zwei Wochen gewonnenen Erkenntnisse:

  • Auch Telefonieren am Handgelenk ist technisch kein Problem und  – das attestieren auch Gesprächspartner – akustisch sehr ausgereift, maximal dass der Arm beim Hochhalten schlapp macht.
  • Aber: Die Uhr ist auch wegen des kleinen Displays kein vollwertiger Ersatz für das Handy  – insbesondere beim Surfen im Internet, einen eigentlichen Browser gibt es daher auch nicht. Viele Apps fokussieren sich auf einen klaren Mehrwert am Handgelenk und „übergeben“ bei Bedarf relativ reibungslos auf das größere Display. Vorbildhaft gelöst zB. bei amazon, deren Interface ausschließlich erlaubt, das zu suchende Objekt der Begierde diktiert zu bekommen, um daraufhin die Einkaufmöglichkeiten zu präsentieren.
  • Apropos: Die Eingabe über die Siri funktioniert außerordentlich gut, und zeigt einen für die kommenden Jahre wichtigen Weg auf, wie wir mit Connected Devices kommunizieren. Nettes Detail: Anders als am iPhone ist Siri per wir. Sind wir nun eins?


  • Kann man über die Apple Watch schreiben, ohne „K.I.T.T., hol mich hier raus!“ zu zitieren? Nein, man kann offensichtlich nicht. In diesem Zusammenhang: Mit der App von DriveNow  das nächstgelegene Auto zu suchen, aufzusperren und nach Inbetriebnahme wieder abzusperren, hat schon was von:. Wie heißt es so schön. The best way to predict the future is to invent it. 

  

  • Tatsächlich hilfreich ist die Navigationsfunktion, wenn man zu Fuß oder mit dem Motorroller auf unbekanntem Terrain unterwegs ist, und die Uhr  per dezenter Vibration am Armgelenk aufwartet, um Hinweise zum Abbiegen zu geben.

 


Den größten Nachteil möchte ich nicht unerwähnt lassen: Es ist nicht der Akku der Uhr (der ist tatsächlich bis zum Aufladen über Nacht im Regelfall völlig ausreichend), sondern es ist der Akku des Smartphones (bei mir iPhone 5S): Durch die permanente Verbindung (über Bluetooth) mit dem Smartphone ist auf diesem die Akkuleistung quasi im freien Fall und benötigt eine gewisse Disziplin aber vor allem immer wieder mal Aufladen. Ein kleiner, fast paradoxer Trost: Fahrscheine oder Boardingpässe bleiben im wahrsten Sinne zur Hand, selbst wenn das iPhone sich verbschiedet.

Meine persönliche Zukunftsprognose: Emanzipiert sich die Uhr eines Tages vom Smartphone – und sei es nur  als temporäres Device für ein paar Stunden  – inklusive Telefon- und GPS-Funktion, wird die potenzielle Zielgruppe noch mal anders zu segmentieren sein. Wer weiß, vielleicht wird sie ja eines Tages sogar per kinetischer Energie aus dem Handgelenk gespeist. Aber bis dahin haben wir sicher auch selbstfahrende Autos. K.I.T.T., hol mich hier raus!

 

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Eine Idee, die nicht gehört gehört: Mein Jahr mit Tonio

Am Anfang war die Idee – und eine Frage: Was wäre, wenn das Radio live, direkt und für uns nicht hörbar mit dem Smartphone kommunizieren könnte? Heute ist diese Idee Wirklichkeit und das Kind hat einen Namen. Über mein erstes Jahr mit Tonio, der unbescheidenen Vision für einen weltweiten Standard und der Traum von damit verbundenen, unendlichen Möglichkeiten.

Bei vielen Präsentationen über mein neues Startup in den vergangenen Monaten verwende ich gerne als Einstieg die Visualisierung eines Handys, das aussieht wie ein Schweizer Messer.

Es steht für mich stellvertretend für das beglückende Erlebnis als Kind, dem Taschenmesser mit den markant roten Ober- und Unterteil neue, oft ungewöhnliche Funktionen entlocken zu dürfen. Ähnlich geht es wohl vielen von uns mit dem eigenen Smartphone.

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Ob als Maßband, als um die eigene Achse rotierende Kamera, als Musikerkennungsdienst oder als Lesegerät für ungewöhnliche Strichcodes – den Möglichkeiten scheinen wenig Grenzen gesetzt, viele Funktionen vom ursprünglichen Erfinder oft gar nicht intendiert, im positiven Sinn zweckentfremdet. Das Smartphone lehrt uns immer wieder neue Funktionen. Die wichtigste und zugleich entscheidendste ist es, verbunden zu sein: Ob über Wifi, Bluetooth, im Mobilfunknetz oder künftig sogar über iBeacons, sie alle bilden eine Nabelschnur zu mehr.

Tonio stellt eine Verbindung zwischen dem Radioprogramm und dem Handy her. Damit das Handy das Radio versteht. Und zwar über das Mikrofon. Wichtige Anforderung dabei ist, dass der Radio-Programmfluss nicht gestört wird, die zu übermittelnde Information also kein störendes Geräusch auslöst und dass es – die Kür bei Hörfunk – auch live und jederzeit integrierbar ist. All das kann Tonio. Wie wir das technisch gelöst haben, bleibt bis auf weiteres ein Geheimnis, ein Geschäftsgeheimnis sozusagen. Eventuell lüften wir das Geheimnis auch mal, bis dahin kann ich aber drei nicht ganz unwesentliche Hinweise geben: Die enorme Herausforderung ist, dass die im Ton zu übermittelnde Information vom Übertragungsweg unabhängig ist, dass sie also auf jedem Übertragungsweg funktioniert, egal ob UKW, DAB+, Webstream oder Radio über Satellit. Das haben wir ausführlich getestet und zufrieden festgestellt, dass das der Fall ist. Außerdem ist es wichtig, dass die Information dem Soundprocessing von Radiosendern nicht zum Opfer fällt. Beim Soundprocessing werden in der Regel die „Spitzen“ des zu verbreitenden Audiosignals noch mal stark in unterschiedlichen Frequenzbereichen gekappt, um den Sound voluminöser und satter klingen zu lassen. Gerne machen davon insbesondere kommerziell ausgerichtete Sender Gebrauch. Für Tonio stellt das kein Problem dar.
Last, but not least, ein charmantes Phänomen: Die Informationen die Tonio sendet brauchen Geräusch, sie funktionieren bei Stille nicht… Für die meisten Radiosender bekanntermaßen ein überbrückbares Hindernis.

Sind der Übertragung Grenzen gesetzt? Ja, nämlich dort, wo das menschliche Gehör auch nichts mehr verstehen würde, wenn etwa die Nebengeräusche beim Radiohören zu laut sind.

Die Schlüsselfrage für die Entwicklung von Tonio war: Wenn Informationen über das Radiosignal übermittelt werden können, was soll das sein? Von Anfang an war klar, dass die Verlinkung zu Informationen, die online abrufbar sind, das mächtigste Instrument und den größten Mehrwert liefern. Weil damit den Ideen des Radiosenders keine Grenzen gesetzt sind: Ob es der Link zu einer Website (z.B. die aktuelle Hochrechnung in einer Wahlberichterstattung) ist, die oft komplizierte URL zu einem YouTube-Video oder der Livestream in ein Studio darstellt, ob es eine App oder ein eBook zum Download oder ein Ticket (etwa für ein Konzert) oder die Status-Meldung auf Facebook zum Liken ist. Mir bereitet die Vorstellung, dass wir uns noch gar nicht alle Einsatzmöglichkeiten ausmalen, großes Vergnügen. Wer weiß, vielleicht gibt es eines Tages eine Quizshow im Radio, bei der man vor dem Radio sitzt, die live übermittelten Fragen am Smartphone beantwortet und die schnellste Teilnehmerin in der Show telefonisch zugeschaltet wird? Die Gretchenfrage der Killeranwendung ist dabei natürlich bereits jetzt zu beantworten: Den Durchbruch von Tonio werden Gewinnspiele bringen.

Der eigentlich Gewinn für den Radiosender bietet Tonio, weil damit über das Radioprogramm das visuelle Angebot am Smartphone des Hörers quasi synchronisiert wird. Das Handy wird damit zum Bildschirm für das Radiogerät, ohne dass man ein neues Radiogerät kaufen muss. Der Hörer bzw. die Hörerin erspart sich, das oft mühsame Eintippen bzw. die Suchmaschine und hat dabei die Gewissheit, die genau richtige Information zu beziehen, die der Radiosender ausgewählt hat. In weiser Voraussicht wage ich die Prophezeiung, dass Smartwatches wie die Applewatch damit einen besonderen Mehrwert erfahren.

Ich halte insbesondere die bequeme Anwendung für einen enormen Vorteil, der die Bereitschaft des Publikums erhöht, die Funktionen von Tonio zu nutzen. Clever eingesetzt, erlaubt sie dem Radiosender auch einen echten enormen Mehrwert – auch als Rückkanal to the people formerly known as audience. Für das – wie das heute so schön heißt – Ökosystem des Radiosenders bietet Tonio dabei auch einen weiteren Vorteil zu technisch denkbaren Alternativen (wie Push-Meldungen etc): Man muss den Radiosender tatsächlich hören, nur dann kann man die Information beziehen. Radiosender leben davon, die Verweildauer der Hörerinnen und Hörer zu erhöhen. Das ergibt einen größeren Marktanteil und schlägt sich dabei unmittelbar auf die Tarife und damit Erlöse des Radiosenders durch.

In Gesprächen mit Radiosendern weise ich gerne auch auf die Gefahr hin, die derzeit von Musikerkennungssoftware ausgeht. Sorgfältig kuratierte Inhalte wie einzelne Songs werden dabei vom Hörer, von der Hörerin bereits jetzt am Handy identifiziert und zum Kauf angeboten, wovon der Radiosender im Einzelfall gar nichts mitbekommt. Brisant dabei ist aber auch, dass meist auch Zusatzangebote als Alternative zum Radio sowie zusätzlich verkaufte Werbung offeriert wird. All das sind Erlöse, die am Radiosender vorbeispazieren.

Tonio bietet hier den Vorteil, dass ausschließlich der Absender des Audio-Signals, somit im Regelfall der Radiosender, die redaktionelle Hoheit über die Inhalte fürs Smartphone hat und darüber verfügt, worüber er informiert bzw. in welchen Musikstore er verlinkt. Im Ergebnis bietet die Nutzung der Tonio Services damit mehr als „nur“ den aktuellen Musiktitel.

Am Anfang war die Idee, erst viele Monate später der Name für die Marke. Die größte Challenge bei der Suche waren folgende selbst auferlegte Vorgaben, die bei neuen Markenentwicklung oft unterschätzt werden:

Ein eindeutiger und phonetisch eingängiger (weil über das Radio zu übermittelnder) Name, der in den App Stores leicht auffindbar ist.
Der in den wesentlichen Sprachen spanisch, englisch, deutsch, italienisch funktioniert.
Und der als .com-Domain organisierbar ist.

Der Kreativ- und Nachdenkprozess war durchaus mit Umwegen verbunden. Erste Ideen wieder verworfen, oder von anderen bereits als Marke geschützt (die sie nicht hergeben sollten oder schlicht auf Anfragen nicht reagierten). Der Heureka-Moment war ein ungewöhnlicher, im Ergebnis finde ich den Namen für mein unternehmerisches Baby mehr als herzeigbar. Für die gelungene grafische Umsetzung trägt Rudolf Zündel die Verantwortung, der alle Vorgaben meisterhaft umgesetzt hat und der Marke noch auf eine prägnante Weise die Erklärung untergeschoben hat: Tonio. Ton mit Information.

Die Voraussetzungen für einen weltweiten Standard sind damit gegeben, wenn auch die Vision kühn ist. Mein Vorbild ist Dolby®, im Fall von Tonio® als Qualitätsmerkmal für Radiosender, aber auch Smartphones. Dass der Weg über eine App einem Umweg gleichkommt, ist klar – auch wenn die Funktion natürlich auch in der App von Radiosendern integrierbar ist. Auch darauf gibt es eine Antwort: Vielleicht ist die Tonio eines Tages auch in Siri integriert? Das Gute ist: Tonio geht auch in Mandarin.

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Und was ich noch nicht erwähnt habe: Tonio geht natürlich über TV. Aber das ist eine andere Geschichte: Ihr müsst unbedingt gucken, wie es weitergeht.